Angelberichte

Forellensaison 2020: Regenschlacht zum Finale

Gibt es etwas, das gefühlt noch schneller vorbeirauscht als die Zeit zwischen dem 1. April und dem 30. September? Ich bin mir nicht sicher, aber Fakt ist: Die Forellensaison 2020 ist beendet und die Farios haben sich in die Herbst- und Winterpause verabschiedet. Ehe das wohlverdiente Laichglück startet, wollten wir es natürlich noch einmal von den Rotgetupften wissen und zwar im heimischen Jena mit der leichten Spinnausrüstung. In diverse Schichten Angelkleidung war sich für dieses Heimspiel zu bequemen, denn das Wetter war ungemütlich am Wochenende vor Schonzeitbeginn. Am Sonnabend, dem Tag unserer kleinen Abschiedsangelei, hat es durchweg geregnet. Egal, nass wird es sowieso meistens! Marco und ich waren jedenfalls sehr gespannt darauf, was wir unserem Fluss bei diesem Sauwetter entlocken können würden.

Die Saale war nach anhaltendem Hochwasser noch immer deutlich getrübt, aber es war schon viel klarer als die Kaffeebrühe der vorherigen Tage und Wochen. Möglicherweise also gute Voraussetzungen für den ein oder anderen Fang! Und tatsächlich, bei Marco zappelte es schon nach wenigen Würfen an der Leine. Den Angeltag eröffnete eine bildhübsche Bafo, die wohlgenährt in ihren Zwanzigern stand. Da kann man sich nur freuen und hinterherrufen: Sei fruchtbar und mehre dich!

So verheißungsvoll das Ganze begann, so zäh wurde die Veranstaltung jedoch in den nächsten zwei Stunden. Marco meldete zumindest einige Nachläufer, aber bei mir tat sich nichts Wahrnehmbares. Während wir uns langsam stromab Richtung Camsdorfer Brücke arbeiteten und die Durststrecke anhielt, regnete es beharrlich weiter. Irgendwann hatte auch ich den ersten Kontakt. Eine kleine Bachforelle hatte zugeschlagen, aber mit zwei, drei kräftigen Sprüngen entledigte sie sich des Hakens ohne mein Zutun. Gut so! Falls sich Untermaß am Haken verirrt, ist es mir am liebsten, wenn dem Nachwuchs das Keschern, Berühren und Abködern erspart bleibt.

Auch wenn sich bis hierhin nicht viel tat: Angeln ist bekanntlich mehr als nur zu fischen und hält immer auch die ein oder andere faszinierende Naturbeobachtung parat. Als ich das Ufer zu meiner linken abwarf, schwirrte plötzlich eine hellgefärbte Fliege an mir vorbei und landete nach einigen Abwärtsspiralen auf dem Wasserfilm. Die Strömung trug den Passagier vielleicht drei Meter weit, dann war er auch schon mit einem sanften Blubb im Maul eines kleinen Fisches verschwunden. Da hatten wir wohl das falsche Gerät mitgebracht? Apropos Gerät: Marco hatte in der Zwischenzeit die Spinnköder verstaut und sein System auf Drop-Shot mit Wurm umgestellt. Noch blieb der Erfolg damit jedoch aus. Zeit für einen Spotwechsel?

Die Drop-Shot-Montage ist an sich eine simple Sache. Das Stabblei lässt sich mit seinem “Öhr” auf der Schnur verschieben und fixieren.

Trotz zunehmender Durchnässung entschieden wir uns, am Camsdorfer Ufer noch einen Versuch zu wagen. Marco blieb bei der Drop-Shot-Montage und hatte, während ich unter der Brücke beschäftigt war, auf Wurm einen richtig guten Biss. Die Forelle löste sich jedoch nach einem kurzen Kampf. Ärgerlich! Bald darauf war ich für die restliche Zeit allein unterwegs, denn Marcos Kleidung hatte mittlerweile zu viel Wasser aufgesogen. In Coronazeiten muss man wirklich keine Erkältung provozieren, zumal der Wind an den nassen Händen mittlerweile kälter als die Wassertemperatur der Saale war. Für mich ging es jetzt noch ein Stück stromab und dann auf der gegenüberliegenden Seite wieder stromauf, um die überwachsenen Stellen und vom Wasser umspülte Steine anzuwerfen. Nichts passierte, aber kurz vor der Brücke nahm ich aus dem Augenwinkel einen größeren, hellen Schemen wahr, der meinen Spoon verfolgt hatte und zwei Meter vor meinen Füßen abdrehte. Wie vorsichtig die an dem Tag waren!

Unter der Brücke angekommen, sollte kältebedingt eigentlich Schluss sein. Aber wer kennt es nicht, das Fünkchen Antrieb, das nie ganz ausgeht, wenn man bisher leer ausgegangen ist? „Nur noch drei Würfe!“ Also noch ein paar Schritte stromauf. „Das ist jetzt aber wirklich der letzte Wurf hier!“ Und aus ein paar Schritten werden fünfzig Meter. Auf den tiefen Bereich, der dann kommt, hatte ich bei diesen Temperaturen aber wirklich keine Lust. Geschlagen geben wollte ich mich dennoch nicht. Natürlich wurde auch auf dem Rückweg zur Brücke kein einziger gewateter Meter ohne Werfen verschwendet. Und plötzlich, ich ließ meinen Blinker in diesem Moment durch eine Rausche taumeln, gab es endlich den erhofften Einschlag! Einige kräftige Kopfschläge folgten, aber kein Sprung, dann machte sich der Fisch schwer und versuchte in der Strömung stehen zu bleiben. Das fühlte sich wie ein stärkerer Döbel an! Wenige Sekunden später löste sich der Kontakt jedoch und der Spoon schnippte zischend an meinem Kopf vorbei. Was für ein Aufwand für so viel Pech! Es dauerte aber nur ein paar Schritte und weniger als fünf Würfe (sowie einen gedanklichen Gruß zum hl. Petrus), da wiederholte sich das Spiel: ein kräftiger Einschlag und eine Serie von Kopfschlägen, die meine UL-Rute gefühlsecht bis in den Unterarm weiterleitete. Es blitzte mehrfach hell im Wasser auf, aber im Restlicht des Tages war nicht genau zu erkennen, was da Paroli bot. Diesmal bekam ich den Fisch jedoch schnell genug seitlich aus der Strömung gelenkt. Ohne nennenswerten Kampf tauchte eine Forelle von guter Größe an der Oberfläche auf und einige Sekunden später landeten 35 cm Fisch sicher im Kescher.

Leider hatte auch dieses Exemplar Probleme mit verkümmerten und deformierten Brustflossen, wovon 2020 traurigerweise allzu oft von Anglern in Jena berichtet wurde. Aus rein anglerischer Sicht war der Fang kurz vor Einbruch der Dunkelheit natürlich trotzdem ein Anlass zur Freude, wenn man die erschwerten Bedingungen an diesem Tag bedenkt.

Das war‘s dann für dieses Jahr! Ich hoffe, auch ihr hattet eine erlebnis- und lehrreiche Forellensaison 2020. Ich für meinen Teil muss leider sagen, dass ich meine schönsten Forellen-Momente nicht in Jena hatte, sondern in Saalfeld, Arnstadt und im Weimarer Land. Der Besatz mit verkümmerten Tieren (die wahrscheinlich noch nicht einmal reproduktionsfähig waren) hat mir dieses Jahr die Lust aufs Angeln in unserer Saalestrecke ziemlich vermiest.

Ein großer Dank geht an alle Angelfreunde, die uns Bilder von ihren dieses Jahr gefangenen Besatzforellen zur Verfügung gestellt haben. Obwohl (oder gerade weil) das ein ziemlich trauriger Anblick ist, möchte ich an dieser Stelle nicht ohne den optimistischen Blick nach vorne enden. Wie war doch gleich das Motto beim Saaletreff? „Wir können das besser!“

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