Angelpraxis

Schonender Umgang mit gefangenen Fischen

Verantwortung gegenüber einem Lebewesen. Vier Worte, die so einfach klingen und doch scheitert es immer wieder an der Umsetzung, wie leider auf verschiedensten Plattformen beobachtet werden kann. Das stimmt uns sehr traurig, da wir als AnglerInnen nicht nur Verantwortung für einen einzigen Fisch, sondern für ein ganzes Ökosystem haben. Zu den Fischarten, auf die ich in diesem Beitrag eingehen möchte, gibt es Unterschiedliches zu sagen.

Folgendes gilt aber allgemein und das hat uns auch der- oder diejenige gelehrt, der/die uns das Angeln beigebracht hat. An dieser Stelle möchte ich das gern nochmal anbringen: Deine Hände dürfen bei der Entnahme des Fisches nicht trocken sein. Grund dafür sind Mikroverletzungen, die sonst durch unsere verhältnismäßig raue Haut in der Schleimhaut des Fisches entstehen. Diese können nach dem Release zu entzündlichen Prozessen und Pilzbefall etc. führen. Im schlimmsten Fall stirbt der Fisch dadurch. Außerdem darf und soll ein Fisch, egal ob klein oder groß, Raub- oder Friedfisch, niemals zum Fotografieren und/oder zum Messen auf einen ungeschützten Untergrund (Wiese, Kies, Sand, Schlamm, Bootsteppich, …) gelegt oder nach dem Drill an Land gezogen werden, wenn er im Nachgang wieder baden gehen soll/muss! Selbes Prinzip wie bei den trockenen Händen: Schleimhautverletzungen führen zu Krankheiten.

Nicht alle Möglichkeiten, die es zum Landen eines Fisches gibt, sind auch die richtigen. Wenn der Fisch zurückgesetzt werden soll/muss, ist besondere Vorsicht geboten.

Bassgrip/Lipgrip

Den Daumen in den Mund und den Mittvierziger aus dem Wasser gezogen. Sieht zwar cool aus – schafft sicher auch ein paar Likes – aber dem Fisch tut ihr damit nichts Gutes. Wenn wir uns das bildlich vorstellen, sehen wir ein weit gespreiztes Maul, gefolgt von einem träge herabhängenden Rumpf und einer Schwanzflosse, deren Ende in der Luft hängt. In diesem Moment lastet das gesamte Gewicht des Barsches auf dem knorpeligen Kiefer. Sträubt sich der Barsch vor der herannahenden Messunterlage und leistet kräftig Widerstand, kann es zum „Brechen“ (bzw. Aushaken) des Kiefers kommen, gleicht man das Gewicht nicht mit einer weiteren Hand unterstützend an Bauch oder Schwanz aus. Für ein großes/größeres Tier ist es schonender, es in einem gummierten Kescher aufzufangen, abzuhaken (schnell zu messen) und dann freizulassen.

Pro-Tipp: Kleinere Barsche dürfen nicht mit Vollgas aus dem Wasser gepeitscht werden, sollten aber auch nicht ewig lang gedrillt werden. Wenn ihr bei einem Mini-Barsch keinen Kescher nehmen wollt, benutzt eure nasse Hand, umgreift den Fisch mit leichtem (!) Druck, löst den Haken und au revoir! Und sofort kann die Angelei weitergehen…

Auch wenn sie nicht so groß und schwer werden wie Hechte oder Zander: Die zweite Hand zum Stützen des Körpergewichtes ist bei maßigen Barschen Pflicht!

Kiemengriff

Das Z in Zander steht für zickig oder in dem Fall „zart“. Generell solltet ihr euren Zander nicht endlos lang drillen, wenn ihr ihn wieder freilassen wollt oder müsst – die Zander werden platt. Kommen sie aus tieferen Regionen des Gewässers oder werden sie unter zu hohem Druck gedrillt, drücken sich die Augen nach außen und ein Zurücksetzen stellt dann keine Option mehr dar. Ich habe schon öfter beobachtet, dass Angler den Drill etwas länger ausdehnen, um den Kiemengriff besser durchführen zu können, weil der Fisch dann „ruhiger“ ist. Ruhig ist dann gleichzusetzen mit erschöpft, was generell (gerade bei den empfindlichen Zandern) niemals gut ist, wenn man den Fisch kurz darauf wieder freilassen möchte/muss. Und auch wenn sein Schicksal eure Pfanne ist, sollte man das Tier in den letzten Sekunden seines Fischlebens so schonend und respektvoll wie möglich behandeln.

Die Landung

Der Kiemendeckel der Zander ist relativ zart und kann sich nur bis zu einem bestimmten Grad aufstellen. Vor Aufregung kommt es schon mal dazu, dass man den Fisch lediglich mit einer Hand am Kiemendeckel aus dem Wasser hebt und sich währenddessen ein bisschen freut. Egal ob der Fisch groß oder klein ist – sollte der Griff nicht richtig sitzen (und selbst wenn doch), kann es bei der Gegenwehr des Fisches zum Ausbrechen des Kiemendeckels kommen und das wäre fatal. Im schlechtesten Fall fällt der Zander mit defektem Kiemendeckel zurück ins Wasser, schwimmt davon und den weiteren Verlauf könnt ihr euch denken.

So gehts richtig

1. Bei einem Biss möglichst schnell anhauen, damit der Haken nicht zu tief geschluckt wird.

2. Geschmeidig drillen (d. h. mit etwas Zeit, nicht zu viel Druck und dem Fisch ein Stück weit seinen Lauf geben).

3. Zander im gummierten Kescher auffangen.

4. Kiemengriff und abhaken, während der untere Teil des Fisches im Wasser sein sollte.

5. Ihm/ihr nach dem Abhaken kurz ein paar Sekunden im Kescher geben – solange der Fisch genügend Wasser zwischen den Kiemen hat, könnt ihr auch mal kurz durchatmen.

6. Kiemengriff mit der einen und unterstützend mit der anderen Hand am Bauch oder am Schwanz aus dem Kescher heben, messen und bei Bedarf fotografieren (wobei das insgesamt nicht länger als eine halbe bis eine Minute dauern sollte).

7. Den Zander nicht (!!!) einfach platsch und wieder rein ins Wasser.

8. Den Fisch vorsichtig zurück ins Wasser setzen – mit dem Schwanzgriff festhalten – und erstmal gucken, wo die Reise hingeht. Dreht er/sie sich komisch hin und her? Taumelt er/sie eher und steht nicht stabil? Sehe ich aus den Kiemen stark Blut austreten? Merke ich, dass er/sie schon wieder losziehen möchte? Sind die Augen klar und flach (schwarz-glänzend und keine unnatürliche Wölbung)?

9. Dem Fisch zuschauen, wie er fit davonschießt!

“Artgerechte Haltung” sollte auch bei kleineren Zandern selbstverständlich sein

Nach Zander und Barsch kommt…? Richtig – Hecht! Hechte bringen nicht nur für ihre Artgenossen und/oder Beute ein hohes Verletzungspotential mit sich, sondern gerade bei uns AnglerInnen kann der ein oder andere Finger schonmal ordentlich in Mitleidenschaft gezogen werden – ihr kennt’ es vielleicht schon. Hechte sind von Natur aus etwas robuster als Zander und Barsche. Was nicht bedeutet, dass ihr sie zur ausgiebigen Fotosession mehrere Minuten außerhalb des Wassers halten könnt. Die gleichen Verhaltensweisen wie bei Zander, Barsch & Co. solltest du auch beim Landen eines Hechtes an den Tag legen.

Ein bis zwei kleine, aber feine Unterschiede gibt es dann doch zu beachten. Wie ihr wisst, sind die Räuber eher von der aggressiven Art, wobei es immer wieder dazu kommt, dass der Haken einfach zu tief geschluckt wird, oder der Stinger in einem Kiemenbogen landet. Aber was tun? Sitzt der Haken hinten im Schlund, gelingt es manchmal nicht, ihn problemlos zu lösen. Auf keinen Fall solltest du mit der Lösezange stumpf im Rachen am Haken herumdrücken – autsch! Da wird dir auch der Hecht in deiner Hand zu verstehen geben, dass er das nicht mag. Hier empfiehlt sich, eine „Pistol“-Zange zu nehmen. Mit der kann man problemlos und fast verletzungsfrei bis hinten in den Rachen greifen. Versucht, den Fisch dabei gut im Griff zu haben. Bei richtiger Handhabung des Kiemengriffs macht der Hecht von ganz allein den Kiefer sperrangelweit auf und ihr könnt mit der „Pistol“-Lösezange locker flockig mit leichten Hin-und-Her-Bewegungen den Haken lösen. Wunderbar.

Bei Haken, die ihr nicht sofort gelöst bekommt: Auch hier bitte nicht die Fassung verlieren und an dem Haken herumrütteln, nehmt euch bitte die Zeit, den Schenkel des Hakens mit einem Seitenschneider abzuknipsen, Haken und Schenkel entfernen und auf Wiedersehen sagen. Du verlierst vielleicht 1,20 € bei der Geschichte, aber der Hecht hat die Chance, wieder zu schwimmen. Und vielleicht sogar erneut auf deinen Köder zu beißen.

Pro-Tipp: Eine Rachensperre zum Lösen des Köders ist für Catch & Release (und auch wenn ihr nicht releasen wollt und der Fisch beim Hakenlösen vielleicht noch bewegungsfähig sein sollte) absolut ungeeignet. Die Apparatur lässt sich nur schwer im Maul platzieren. Währenddessen tanzt der Hecht in der Hand Polka und verletzt sich höchstwahrscheinlich. Habt ihr es dann vielleicht geschafft, steht ihr immer noch vor der Hürde, dies Sperre „schnippen“ zu lassen, damit er/sie das Maul aufspannt. Hierbei kommt es gerade bei kleineren Hechten zum fast „explosionsartigen“ Aufknacken des Kiefers, aber auch bei großen Hechten sind diese „Dinger“ komplett fehl am Platz.

Gleich schwimmt sie davon, die Mutti! Zu groß für die Küche? Dann ist auch bei Hechten besonders viel Vorsicht und Respekt angesagt

Da war doch noch was… oder jemand! Schön, dass ihr meinen Beitrag immer noch aufmerksam verfolgt. Zum Abschluss möchte ich noch auf eine Sache eingehen, die mir und unseren Mitgliedern sehr am Herzen liegt. Wie ihr vielleicht wisst, sind Salmoniden sehr empfindliche Geschöpfe, bei denen es absolut wichtig ist, besonders sorgsam und verantwortungsbewusst zu fischen. Vielleicht fischt ihr ja mit der Fliegenrute: Diese filigrane Fischerei ist sehr tierwohlschonend, aber auch alles andere als einfach in der Handhabung (so meine Erfahrung). Seid ihr mit der Spinnrute und Wobbler, Blinker, usw. unterwegs, dann nutzt am besten Einzelhaken oder noch besser: Schonhaken (Einzelhaken ohne Widerhaken). Die Herausforderung beim „Drill“ ist so zwar etwas größer, aber auch da findet ihr euch sicher schnell ein.

Man darf Forellen, Äschen usw. keineswegs so hart wie Zander, Barsch & Co. drillen oder gar komplett „ausdrillen“. Die Tiere würden die Erschöpfungszustände nicht überleben. Ebenfalls dürft ihr bei Salmoniden auf keinen Fall (!) einen Kiemengriff setzen. Der Kiemendeckel, die Muskeln herum und das Rückgrat könnten überstreckt werden und brechen. Außerdem können die Kiemen beschädigt werden und im Falle des Zurücksetzens kann eine ausreichende Sauerstoffzufuhr nicht mehr stattfinden. Auch das Herausziehen des Fisches an der Montage solltet ihr unterlassen, denn das würde ebenfalls zu oben genannten Problemen führen. Beim Landen gilt gleiches wie immer: ein gut gummierter Kescher, langsame und gezielte Führung des Fisches in den Kescher, mit nassen Händen und vorsichtigen Fingern den Haken lösen und für Erinnerungsfotos ein Minimales (!) an Zeit aufbringen (am besten halb im Wasser fotografieren).

In der Schonzeit ans Band gegangen oder untermaßig? Salmoniden müssen so schnell und schonend wie möglich zurückgesetzt werden

Zum Schluss möchte ich gern noch einmal an unsere Verantwortung gegenüber dem Tier appellieren. Lasst kein Lebewesen für das „perfekte“ Fangbild auf Instagram & Co. für ein paar Likes verenden. Das ist nicht Sinn der Sache und ein (Tier-)Leben nicht wert.

Ich wünsche euch ein dickes Petri, wenn ihr mal wieder am Wasser seid! Habt Spaß, aber vor allem: zeigt Verantwortung!

Liebe Grüße und frohe Weihnachten

Elisa

Ein Gedanke zu „Schonender Umgang mit gefangenen Fischen

  1. Klasse Beitrag! Ich würde evtl. noch darüber nachdenken, dass Fische, die zurück in ihr Element sollen oder müssen – möglichst nicht ganz aus dem Wasser gehoben werden sollten. Da hilft auch ein schonender Griff nicht, wenn der Fisch im Boot oder an Land vom Haken befreit wird. Die Unterbrechung der Sauerstoff-Versorgung kann schlimmere Folgen haben, als eine kleinere Verletzung.

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